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45 Frauen bei Brandstiftung getötet

Samstag, 9. Dezember 2006 / 10:11 Uhr
aktualisiert: 12:40 Uhr

Moskau - Bei einem verheerenden Brand in einer Moskauer Klinik für Suchtkranke sind in der Nacht 45 Frauen ums Leben gekommen.

Nach Meinung der Behörden wurde der Alarm nicht rechtzeitig ausgelöst.

Unter den Toten waren nach Angaben der Behörden 43 Patientinnen und zwei Pflegerinnen. Es wird von Brandstiftung ausgegangen.

Von zehn Schwerverletzten schwebten mehrere in Lebensgefahr. Der Brand entstand in der zweiten Etage eines achtgeschossigen Gebäudes.

Das Notfallministerium in Moskau ging nach den ersten Untersuchungen am Brandherd davon aus, dass es sich um einen Fall von Brandstiftung handelt. Die Schutzbestimmungen wurden nach Einschätzung des Moskauer Feuerwehrchefs Viktor Klimkin in krasser Form missachtet.

Ursache in Cafeteria

20 Löschfahrzeuge waren im Einsatz. Der Brand brach nach Angaben der Behörden am Samstag um 01.40 Uhr Ortszeit (Freitag 23.40 Uhr MEZ) in der Frauen-Abteilung aus. «Der Brand entstand in der Cafeteria», sagte Klimkin. 177 Patienten und 15 Betreuer befanden sich zu der Zeit im Gebäude. Die 17. Moskauer Drogenklinik liegt im Südwesten der russischen Hauptstadt.

Die Fenster der Klinik für Suchtkranke waren mit Sperrgittern verriegelt. Die Wände des Gebäudes, das in den 50er und 60er Jahren errichtet wurde, waren mit Plastik verkleidet. Dadurch habe sich nach den ersten Ermittlungen ein besonders giftiger Qualm entwickelt, erklärte Klimkin. Viele der Toten hätten durch die Vergiftung wahrscheinlich schnell das Bewusstsein verloren.

«Wir haben das Gebäude überprüft, Missachtungen der Brandschutzbestimmungen festgestellt und der Verwaltung Anweisungen gegeben, wie diese ausgeräumt werden müssen», sagte Klimkin. Brandschutzinspektoren hätten schon vor der Katastrophe gefordert, das Gebäude müsse geschlossen werden.

Feuerwehr in vier Minuten

Die Feuerwehr sei vier Minuten nach dem ersten Notruf vor Ort gewesen, sagte der Vize-Minister für Notfallsituationen, Alexander Schuprian. Wenn das Personal «angemessen reagiert hätte», hätte die Zahl der Opfer weit niedriger liegen können.

«Es war Brandstiftung, zu 90 Prozent», sagte Juri Nenaschew von der Brandschutzabteilung des Notfallministeriums. «Der Brand entstand in einem abgeschlossenen Bereich.» Dort habe es keine Kochstellen oder Kabel gegeben, sondern lediglich ein Holrzegal. Dieses habe als erstes gebrannt - «und das weist auf Brandstiftung hin», sagte Nenaschew.

Zuletzt hatte es in Moskau 1977 eine ähnliche Brandkatastrophe gegeben. Damals wurden beim Brand des Rossija-Hotels im Moskauer Zentrum 42 Menschen getötet und mehr als 50 verletzt.

(dl/sda)


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