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Angehört: Vampire Weekend - «Contra»

Donnerstag, 14. Januar 2010 / 12:53 Uhr
aktualisiert: 13:45 Uhr

Wie man den Spagat zwischen «Indie-Musik» und gutgelaunter Weltmusik schafft, zeigt die New Yorker Band Vampire Weekend auf ihrem zweiten Album «Contra».


Das Debüt-Album, das vor drei Jahren herauskam, überraschte mit diesem neuen, schwer zu greifenden Sound, den die Band selbst als «Upper West Side Soweto» bezeichnete.

Viele Einflüsse

Von ihrer letzten Welttour brachten sie die verschiedensten Einflüsse mit: Bollywood, Beatles, Elvis Costello, Ska, brasilianischer Baile-Funk, kongolesische Daumenklaviere, Repo Man, Reggaeton, Karibischer-Sound, Beethoven, Dancehall, die Beastie Boys und vor allendingen Afrika-Sound wurden dezent und kultiviert verarbeitet.

Die Aufnahmen begannen im Januar 2009 in New York, nur zwei Wochen nachdem die Jungs von ihrer 18-monatigen Welttournee zurückkamen. Entstanden ist so ein interessantes, leichtfüssiges Album, das da anknüpft, wo Paul Simon seinerzeit aufgehört hat.

Gegen den akademischen Muff

Den einzigen Vorwurf, den man ihnen machen könnte, wäre, dass die Musik ein wenig konstruiert klingt. Es ist aber auch schwer, als studierte Musiker (Columbia-University, New York) den akademischen Muff des Studiums aus der Musik wieder herauszubekommen, wie sie selber sagen.

Trotzdem, oder gerade deswegen, gehen sie neugierig wie kleine Jungs an die ihnen fremde Musik heran und basteln etwas Neues, das aber nie zu sehr gekünstelt klingt, der Sound ist erdig, die Instrumente echt. Sie zeigen sogar Humor, wenn sie den verhassten Auto-Tune-Effekt in das Stück «California English» einbauen.

Nicht vorsätzlich fröhlich

Viele Stücke erinnern mich an Van Dyke Parks, der Mitte der Siebziger auf den Spuren der karibischen Calypsomusik wandelte, was wohl auch an der Stimme von Sänger und Gitarrist Ezra Koenig liegt. Die Stimmung ist nicht vorsätzlich fröhlich, sondern immer reflektiert, mal romantisch, dann wieder ausgelassen oder relaxt. Aber immer wieder strahlen ihre grossen Augen durch die Songs, mit denen sie das für sie Neue entdecken.

Gestandene Kajalstift-Indie-Hörer werden wohl Probleme mit dem Album haben, wem aber die grundsätzlich positive Stimmung - gerade jetzt im Winter - behagt, wird mit einem sehr schönen Musikerlebnis belohnt.

 

(Felix Steinbild, Berlin/news.ch)


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