Brüchige Feuerpause im Südkaukasus Mittwoch, 13. August 2008 / 06:50 Uhr aktualisiert: 23:07 Uhr
Tiflis - Im Kaukasus herrscht weiter Gewalt - trotz der Vereinbarung eines Friedensplans zwischen Russland und Georgien. Zahlreiche Dörfer in Georgien und Südossetien werden offenbar von Plünderern heimgesucht.
 Georgiens Präsident Michail Saakaschwili.
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berichtete von «erschreckenden Szenen der Zerstörung» in südossetischen Dörfern, in denen bislang nur Georgier lebten.
Augenzeugen zufolge gingen südossetische Kämpfer zusammen mit russischen Soldaten von Tür zu Tür, plünderten Gebäude und setzten Häuser in Brand.
Russlands Aussenminister Sergej Lawrow sagte zu den Berichten, allfällige Kriegsverbrechen marodierender russischer Soldaten würden nach dem Gesetz bestraft. Nach seiner Darstellung befinden sich russische Streitkräfte im Umland von Senaki und Gori.
Unübersichtliche Lage
Die Lage im Konfliktgebiet blieb unübersichtlich. Russland wies Berichte westlicher Medien zurück, wonach russische Truppen zeitweise auf die georgische Hauptstadt Tiflis vorgerückt seien. Auch die Situation in der Stadt Gori blieb unklar.
«Während ich spreche, greifen russische Panzer Gori an», sagte Georgiens Präsident Michail Saakaschwili an einer Pressekonferenz in Tiflis. Ein russischer Militärsprecher entgegnete, die Truppen hätten in Gori lediglich ein georgisches Waffendepot geräumt.
Zwischen Georgien und Russland tobt ein Krieg der Worte. Russlands Präsident Dmitri Medwedew warf den Georgien «Völkermord» in Südossetien vor. Georgien seinerseits verklagte Russland vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag wegen «ethnischer Säuberungen».
USA sendet Hilfsgüter
US-Präsident Bush versicherte Saakaschwili telefonisch der Solidarität Washingtons und rief Russland auf, die Souveranität Georgiens zu respektieren. Bush kündigte zudem an, US-Militärschiffe und Kriegsschiffe würden Medikamente und andere Hilfsgüter nach Georgien bringen. Eine erste Transportmaschine traf bereits in Tiflis ein, eine zweite soll in Kürze folgen.
Der französische EU-Ratsvorsitz hatte einen Friedensplan ausgearbeitet, den sowohl Russland als auch Georgien in der Nacht billigten. Das Dokument sieht neben einer Waffenruhe vor, dass sich die georgischen Truppen in ihre üblichen Quartiere zurückziehen und die russische Armee hinter die Grenzen «vor Ausbruch der Feindseligkeiten». (bert/sda)
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