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Das Rätsel um die Zwerge von Samnaun ist gelöst

Freitag, 10. Oktober 2003 / 12:42 Uhr

Samnaun - Vor über 100 Jahren sind in der abgelegenen Bündner Talschaft Samnaun acht Kleinwüchsige geboren worden. Bisher wurde das Laron-Syndrom, ein proportionierter Minderwuchs, als Ursache vermutet. Dies hat sich nun als falsch herausgestellt.

Samnaun im Bünderland.

Wie der Berner Hormonspezialist Primus-Eugen Mullis herausfand, trugen die kleinen Menschen ein defektes Wachstumshormon-Gen. Es war ihnen gar nicht möglich, ein funktionstüchtiges Hormon für das Wachstum zu bilden.

Die "Zweargla" selber konnte der Berner Spezialist nicht untersucht werden, da der Letzte 1959 gestorben war. Der Samnauner Dorfarzt Rudolf Horn aber nahm bei Verwandten Blut, aus dem die Erbsubstanz isoliert wurde. Der Lehrer und Lokalhistoriker Arthur Jenal vertiefte sich ausserdem in die Stammbäume der Kleinwüchsigen.

Im Durchschnitt traf der Kleinwuchs 25 Prozent der Kinder von Eltern, die beide das defekte Wachstumshormon aufwiesen. Begünstigt wurde die Wachstumsstörung durch die Abgeschiedenheit des Tales.

Zudem fanden die Forscher heraus, dass die "Zweargla" früher starben als die grossen Samnauner. Männer wurden im Schnitt 57, Frauen 47 Jahre alt. Die Todesursachen waren jedoch dieselben wie bei anderen Leuten: Herzprobleme oder Infektionskrankheiten.

Die acht Zwergwüchsigen, die zwischen 1873 und 1892 in mehreren Familien des Samnauns geboren wurden, waren nur etwa einen Meter gross. Sie hatten im Alter von drei Jahren weitgehend aufgehört zu wachsen und sahen aus wie Erwachsene im Miniformat.

(bsk/sda)