ROGER FEDERER
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«Der Davis Cup muss noch warten...»

Donnerstag, 21. September 2006 / 07:45 Uhr
aktualisiert: 10:18 Uhr

Roger Federers Heimspiele sind rar geworden. Der letzte Davis-Cup-Einsatz liegt ein Jahr zurück.

Roger Federer: «Ich will so lange wie möglich die Nummer 1 bleiben.»

In Basel musste er zweimal verletzt passen. In Gstaad spielte Federer seit dem Turniersieg 2004 nicht mehr. Nun ist Federer ab Freitag in Genf zu bewundern.

Der «Run» auf die gut 5000 Tickets blieb bislang aber aus.

Trotz eines Aufrufs des Tennisverbands an die Schweizer Fans vor einer Woche sind für alle drei Tage der Partie gegen Serbien «noch mehr als genug» Eintrittskarten vorhanden.

Auch Federer trägt eine Mitschuld

Die Gründe, warum die Palexpo-Halle bei Federers erstem Heimauftritt seit exakt einem Jahr nicht ausverkauft sein wird, sind vielfältig. Der Davis Cup scheint in Genf seit dem Ausscheiden Marc Rossets aus dem Kader an Interesse eingebüsst zu haben.

Andere Kandidaturen (z.B. Luzern) blieben beim Verband aus finanziellen Überlegungen chancenlos. Eine Mitschuld an der Situation trägt indessen auch Federer.

Der Weltranglisten-Erste entscheidet «von Spiel zu Spiel», ob er mitmacht oder nicht. Als die Schweizer Anfang Februar in Genf gegen Australien um den Einzug in die Viertelfinals spielten und knapp mit 2:3 verloren, erholte sich Federer in Basel von den Strapazen des Australian Open.

«Alle freuten sich über meine Erfolge»

Nun spielt Federer gegen die Serben zwar mit, aber es geht dabei «nur» um den Klassenerhalt - und diesmal bleiben halt die Fans zu Hause.

Dass seine grandiosen Leistungen in der Heimat nicht die ihnen zustehende Anerkennung finden würden, glaubt Federer nicht. Letzte Woche tourte er während fünf Tagen durch die Schweiz, traf viele Leute, die er vorher nicht kannte, «und alle freuten sich riesig über meine Erfolge».

Würde die Schweiz - wie vor 14 Jahren gegen Brasilien - im Davis Cup wieder einmal einen Halbfinal bestreiten, käme zweifellos umgehend wieder die grosse Euphorie auf, wohl sogar in Genf.

Federer ringt mit sich selbst

Swiss-Tennis-Präsident René Stammbach formulierte im Sommer das Ziel, bis 2010 die hässlichste Salatschüssel der Welt (wie die Davis-Cup-Trophäe bezeichnet wird) gewinnen zu wollen. Mit Federer als Nummer 1 sollte das möglich sein.

Dass Federer in naher Zukunft mehr als einmal pro Jahr im Davis Cup mit von der Partie sein wird, ist aber nicht realistisch. «Der Davis Cup kann noch warten», sagt sich Federer.

Er räumt zwar ein, dass es jeweils ein kräftiges Ringen mit sich selber sei, wenn es darum gehe, zu einer Partie «ja» oder «nein» zu sagen.

Eine Partie pro Jahr ist kein Problem

«Andererseits hat es sich in den letzten beiden Jahren für mich gelohnt, voll auf den Circuit zu setzen. Einst träumte ich davon, die Nummer 1 zu sein und Grand-Slam-Turniere zu gewinnen. Nun setze ich alles daran, diese Position so lange wie möglich zu halten.»

Eine Partie pro Jahr sei kein Problem. «Wenn es aber mehr wird, muss ich meine ganze Planung auf den Kopf stellen.»

Beim Erreichen des Ziels von Präsident Stammbach, den Davis Cup in den nächsten vier Jahren in die Schweiz zu holen, würde Federer aber natürlich gerne mithelfen. «Vom Gewinn des Davis Cup träumt jeder im Team. Optimal wäre natürlich, wenn die Teamkollegen eine Runde auch ohne mich überstehen könnten.»

Ungünstige Planung für Federer

Für das nächste Jahr existiert noch kein Plan. Vorerst müssen die Schweizer übers Wochenende in Genf gegen die Serben den Verbleib in der Weltgruppe sichern, dann wird nächste Woche die 1. Runde 2007 ausgelost. Die Spieldaten bleiben gleich.

Die 1. Runde wird zwei Wochen nach dem Australian Open gespielt; die Viertelfinals liegen zwischen den Hartplatz-Turnieren in den USA (Indian Wells, Key Biscayne) sowie dem Beginn der Sandsaison in Monte Carlo - und damit für Federer noch ungünstiger.

«Ich werde nach dieser Woche einerseits mit dem Davis-Cup-Team und später auch mit meinem persönlichen Team über die Bücher gehen. Danach wissen wir mehr.»

Ganz ausgeschlossen sind Davis-Cup-Einsätze von Federer im Frühling nicht: Auch 2004 spielte er im Februar (Sieg in Rumänien) und im April (Niederlage gegen Frankreich) - und trotzdem gewann er damals wie heuer drei Grand-Slam-Titel (Australian Open, Wimbledon, US Open).

(von Rolf Bichsel, Genf/Si)


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