AUSLAND
Anzeige
«Der schmerzlichste Schritt meines Lebens»

Dienstag, 1. März 2011 / 10:45 Uhr
aktualisiert: 17:35 Uhr

Berlin - Zwei Wochen nach Bekanntwerden der Plagiats-Affäre um seine Doktorarbeit hat der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern erklärt. Dies sei der «schmerzlichste Schritt» seines Lebens, sagte er am Dienstag.

Karl-Theodor zu Guttenberg tritt zurück.

Er wolle «nicht zum Selbstverteidigungsminister» werden, zog der in Umfragen beliebteste Politiker des Landes die Konsequenzen. Die Aufmerksamkeit habe sich weg von den in Afghanistan verwundeten und getöteten Bundeswehrsoldaten verlagert. «Wenn es auf dem Rücken der Soldaten nur noch um meine Person gehen soll, kann ich das nicht mehr verantworten», sagte der CSU-Minister vor den Medien in Berlin.

Hintergrund ist die massive Kritik aus der Wissenschaft, der Koalition und der Opposition, weil Guttenberg Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben soll.

Für «eine Entscheidung von dieser Tragweite» habe er sich eine gewisse Zeit nehmen müssen und sei deshalb nicht früher zurückgetreten. So habe er erst die Trauerfeier für die in Afghanistan gefallenen Soldaten am vergangenen Freitag abgewartet.

Auch habe er die Grundzüge der Bundeswehr-Reform regeln wollen. «Es gehört sich, ein weitgehend bestelltes Haus zu verlassen», sagte Guttenberg. «Das Konzept der Reform steht.» Der Minister schloss seine Rücktrittserklärung mit den Worten: «Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht.»

Merkel akzeptiert

Kanzlerin Angela Merkel zeigte sich ebenso wie der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer überrascht über Guttenbergs Schritt. Merkel sagte, sie habe das Entlassungsgesuch «schweren Herzens» angenommen. Bis zur Ernennung eines Nachfolgers bleibe Guttenberg geschäftsführend im Amt. Wenn die CSU erneut das Ressort besetzen wolle, könne sie dies machen.

Seehofer kündigte eine Sitzung des CSU-Präsidiums für kommenden Freitag an. Wer die Nachfolge antritt, war zunächst völlig unklar. Beobachter schlossen nicht aus, dass es zu einer grösseren Rochade kommt.

Die Oppositions-Parteien zeigten Genugtuung. Der Rücktritt Guttenbergs sei überfällig. Sie machten zugleich die Kanzlerin für die Folgen verantwortlich. «Sie hat sich kräftig blamiert, ihre Glaubwürdigkeit ist beschädigt, sie hat dem Ruf der Politik Schaden zugefügt», hiess es in der SPD.

 

(fest/sda)


Artikel-Empfehlungen:
10.Mrz 20:51 Uhr
Guttenberg sagt Servus - Zapfenstreich mit Rock-Song
Schriftsteller Martin Walser verteidigt Guttenberg4.Mrz 16:52 Uhr
Schriftsteller Martin Walser verteidigt Guttenberg
Dolchstosslegende des 21. Jahrhunderts4.Mrz 14:00 Uhr
Dolchstosslegende des 21. Jahrhunderts
3.Mrz 11:39 Uhr
Ermittlungen gegen Guttenberg
De Maizière ersetzt Guttenberg2.Mrz 12:26 Uhr
De Maizière ersetzt Guttenberg
Doktoranden kritisieren Merkel28.Feb 17:37 Uhr
Doktoranden kritisieren Merkel
Das Zeitalter der Lügen25.Feb 11:58 Uhr
Das Zeitalter der Lügen
Uni Bayreuth entzieht Guttenberg den Titel23.Feb 21:02 Uhr
Uni Bayreuth entzieht Guttenberg den Titel
Guttenberg: Redeschlacht im Bundestag23.Feb 16:25 Uhr
Guttenberg: Redeschlacht im Bundestag
Was Googleberg mit Gaddafi zu tun hat23.Feb 09:58 Uhr
Was Googleberg mit Gaddafi zu tun hat