HINTERGRUND
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Die Krise der Nordamerikaner

Montag, 20. Februar 2006 / 00:01 Uhr

Die Olympia-Finalisten von Salt Lake City sind weit von ihrem damaligen Rendement entfernt. Sowohl Kanada als auch die USA verloren am Wochenende beide Partien und sind in dieser Form keine Medaillenanwärter.

Kanadas Goalie Martin Brodeur weiss auch nicht weiter.

Der Schweizer Viertelfinalgegner wird sich aus dem Quartett Slowakei, Russland, Schweden oder USA rekrutieren. Einzig die USA hat ihren Platz in der Runde der letzten acht mathematisch noch nicht sicher. Den Krueger-Boys reicht im abschliessenden Spiel gegen Italien im schlechtesten Fall ein Unentschieden, um Poule A im sensationellen 2. Rang zu beenden! Torverhältnis spricht für USA Es müsste allerdings vieles falsch laufen, damit die US-Amerikaner, Finalisten von Salt Lake City, in Turin frühzeitig ausscheiden. Sie haben vor dem letzten Spiel gegen Russland zwei Punkte mehr und eine um 16 Tore bessere Tordifferenz als Konkurrent Lettland, der noch gegen die schwierig zu spielenden Kasachen antritt.

Während die Amerikaner bisher enttäuschten und nach 1:2-Niederlagen am Wochenende gegen die Slowakei und Schweden mit nur einem Sieg aus vier Partien zu Buche stehen, spielen sich die Schweden langsam ins Turnier. Beim 6:1 gegen Lettland am Samstag konnten sie erstmals auch auf Superstar Peter Forsberg (zwei Assists) zählen, gegen die Amerikaner wurde «Foppa» aber wieder geschont.

Noch verlustpunktlos ist die Slowakei, die über ein offensivstarkes Ensemble verfügt, aber auch geduldig auftritt. In den Abnützungskämpfen gegen die USA und Kasachstan (je 2:1) teilten sich Marian Hossa und Peter Bondra in die vier Tore.

Bisher überzeugt hat auch Russland. Der WM-Dritte gewann am Wochenende die Vergleiche gegen die ehemals angegliederten Kasachen (1:0, Tor durch Alexander Charitonow) und Lettland. Zum 9:2 steuerte Atlantas Ilja Kowaltschuk vier Tore bei.

Probleme für die Tschechen

In der Gruppe A unterlagen die Tschechen nach dem 2:3 gegen die Schweiz auch den Finnen mit 2:4. Temporär verloren sie zudem auch Superstar Jaromir Jagr, der von Jarkko Ruutu bös in die Bande gecheckt wurde. Erste Befürchtungen, Tschechien könnte nach Dominik Hasek und Patrik Elias einen dritten Schlüsselspieler für den Rest des Turniers verlieren, bestätigten sich nicht. Jagr spielte beim 4:1 gegen Italien wieder mit und erzielte einen Assist.

Finnen souverän, Kanadier enttäuschend

Die Finnen bestätigten den hervorragenden Anfangseindruck mit einem 4:2 gegen Tschechien und einem 2:0 gegen Kanada. Überragend war einmal mehr die erste Sturmlinie mit Teemu Selänne, Saku Koivu und Jere Lehtinen, die in zwei Partien zehn Skorerpunkte beisteuerte; das Trio hat nun schon 22 Punkte realisiert. Finnland ist vorzeitig Gruppensieger und trifft am Mittwoch höchstwahrscheinlich auf die USA.

In Kanada ist hingegen das nationale Selbstwertgefühl angeknackst. Das Team, dessen Lohnsumme rund 98 Millionen US-Dollar beträgt, leistete sich zuerst die Schmach einer 0:2-Niederlage gegen die kleine Schweiz und brachte einen Tag später auch gegen Finnland kein Törchen zustande, die Viertelfinalqualifikation ist Siegen gegen Deutschland und Italien zu verdanken.

Seit 1998 NHL-Profis an die Spiele zugelassen wurden, hatte Kanada noch kein Spiel ohne Tor beendet, nun warten die Spieler des viel kritisierten Pat Quinn seit 145 Minuten auf ein Erfolgserlebnis. Auch die letztjährigen NLA-Superstars können keine Akzente setzen, Joe Thornton verdient sogar fast die Bezeichnung «Ausfall».

<Resultate:
Am Samstag: Tschechien - Finnland 2:4 (1:1, 1:1, 0:2). Kanada - Schweiz 0:2 (0:1, 0:1, 0:0). Italien - Deutschland 3:3 (1:0, 0:1, 2:2). -- Am Sonntag: Finnland - Kanada 2:0 (2:0, 0:0, 0:0). Tschechien - Italien 4:1 (2:0, 1:0, 1:1). Schweiz - Deutschland 2:2 (0:0, 2:1, 0:1).

Tabelle
1. Finnland 4 4 0 0 17:2 8* 2. Schweiz 4 2 1 1 7:9 5* 3. Kanada 4 2 0 2 12:7 4* 4. Tschechien 4 2 0 2 12:9 4* -------------------------------- 5. Deutschland 4 0 2 2 7:14 2 6. Italien 4 0 1 3 6:20 1

* = für die Viertelfinals qualifiziert

(von Marco Keller, Turin/Si)