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Die Schweiz braucht ein Umdenken beim Wassermanagement

Freitag, 22. November 2013 / 09:11 Uhr
aktualisiert: 10:27 Uhr

Die Schweiz wird zwar auch in Zukunft insgesamt genügend Wasser haben, doch Trends wie Klimawandel und Konsum fordern ein Umdenken. Die Lage der Nation beim Wasser beleuchten Berner Forscher in einem neuen «Fact Sheet» der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT).

Der Schweiz droht insgesamt kein Wassermangel.

Die grössten Herausforderungen orten die Autoren Pascal Blanc und Bruno Schädler von der Universität Bern bei der Wasserkraft und saisonalen Wasserknappheiten. Durch den Atomausstieg steige das Interesse an der Wasserkraft, die aber auch Kehrseiten habe: Flussökosysteme verarmen, weil unterhalb von Dämmen zu wenig Restwasser abfliesst. Diese sind zudem eine Barriere für Fische.

Das Potenzial zum Bau oder Ausbau grosser Kraftwerke sei heute fast ausgeschöpft, erklärte Schädler, Wasserforscher am Oeschger Centre for Climate Change Research, auf Anfrage. Schon rund 30 Prozent der potenziellen Energie, die im gesamten Wasservorrat der Schweiz steckt, werden genutzt.

Wenig hält Schädler davon, viele neue kleine Kraftwerke zu bauen. Man sei heute der Ansicht, dass «viele Kleinkraftwerke in der Summe für die Natur schädlicher sind als ein grosses, das genügend Restwasser und Fischdurchlässigkeit garantiert». Besser sei es, bei der Erneuerung respektive beim Ausbau der bestehenden Kraftwerke diese Umweltaspekte zu verbessern, schreiben die Autoren.

Streit um Wasser

Der Schweiz droht insgesamt zwar kein Wassermangel, doch die Abflüsse werden sich saisonal verlagern. Wegen der Klimaerwärmung wird es weniger Eis und Schnee geben, die rund 42 Prozent des abfliessenden Wassers liefern. Zudem wird es im Winter mehr und im Sommer weniger regnen.

Damit nehmen regionale, zeitlich begrenzte Knappheiten im Sommer zu. «Für diese Fälle müssen die Betroffenen besser gewappnet sein», sagte Schädler. Dazu brauche es eine Verknüpfung der oft sehr kleinräumig geregelten Wasserversorgung. Diese sei technisch oft einfach zu machen, aber mancherorts fehle der politische Wille.

Betroffen ist auch die Landwirtschaft, deren Bedarf zur Bewässerung steigt. Diese könnte effizienter gestaltet werden, etwa durch Tropfbewässerung, schreiben die Autoren. Heute verbraucht die Landwirtschaft laut Bundesamt für Landwirtschaft 15 Prozent des gesamten schweizerischen Wasserverbrauchs. «Es gibt keine Kostenwahrheit und damit Anreize zum Wassersparen», urteilt Schädler.

Es könnte künftig also Streit um Wasser geben. Die rechtlichen Regelungen, wer künftig wann wie viel Wasser entnehmen darf, müssten überprüft werden, schreiben Blanc und Schädler.

Probleme ins Ausland exportiert

Bei der Wasserqualität geben Rückstände von Medikamenten wie der «Pille», Kosmetika oder Pflanzenschutzmitteln Anlass zur Sorge. Sie werden in Kläranlagen nicht abgebaut und geraten ins Trinkwasser. Das Nachrüsten der Anlagen mit speziellen Filtern sei sehr teuer, erklärte Schädler. Es wäre deshalb gescheiter, bestimmte Substanzen zu vermeiden.

Einen Teil ihrer Wassersorgen hat die Schweiz exportiert: Der Wasserverbrauch im Inland sank von 500 im Jahr 1999 auf nur 300 Liter pro Person. Dies geschah dadurch, dass wasserintensive Industriezweige ins Ausland verlegt wurden, schreiben die Autoren. So steige der Verbrauch an sogenanntem «virtuellem Wasser», das für die Herstellung der importierten Güter nötig war.
(bert/sda)


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