ETH-ZUKUNFTSBLOG
Anzeige
Effiziente Energienutzung

Mittwoch, 12. Juni 2013 / 09:21 Uhr

Tiefe Erneuerungsraten sind ein zentrales Hemmnis für einen energieeffizienten Gebäudebestand. Obwohl Technologien auf dem Markt erhältlich sind, scheint es, dass Hauseigentümer nur zögernd in Energieeffizienz investieren. Dieses Paradox wird in der Literatur Energieeffizienz-Lücke («energy efficiency gap») genannt und bezeichnet die Differenz vom beobachteten zum optimalen Energieverbrauch.

Doktorandin Céline Kind (früher: Ramseier), ETH Zürich.

Die Energieeffizienz-Lücke ist sozusagen das Energieeinsparpotential, das erlangt werden könnte, wenn in diejenigen Technologien investiert würde, welche die effizientesten aktuell auf dem Markt erhältlichen sind und welche unter den aktuellen Energiepreisen wirtschaftlich sind.

Energieverschwendung

In einem Haushalt wird allerdings nicht Energie per se nachgefragt, sondern beispielweise Warmwasser, angenehm geheizte Wohnräume, ein feines Znacht und Licht. Aus ökonomischer Perspektive heisst das, dass Haushalte Energie, Arbeit und Kapital einsetzen, um Energiedienstleistungen zu produzieren (zum Beispiel Kaffee kochen, Waschen, Heizen). Wirtschaftlich gesehen ist es wichtig, diese Energiedienstleistungen auf eine effiziente Art und Weise bereitzustellen. Häufig werden zwei Fälle von ineffizienter Produktion und damit Nutzung beobachtet - bei beiden wird Energie verschwendet:

  • Ineffiziente Nutzung neuer Technologien: So kann es sein, dass ein Haushalt sehr wohl eine moderne Technologie verwendet - zum Beispiel eine Heizung der neusten Generation - diese aber ineffizient nutzt und zu viel Energie oder Kapital einsetzt.
  • Einsatz veralteter Technologien: Es kann aber auch sein - und das ist meiner Meinung nach weit der häufigere Fall - dass ein Haushalt eine überholte Technologie einsetzt, welche gar nicht erlaubt, mit weniger Energie und Kapital (!) das Haus angenehm warm zu beheizen.


Was kann ich tun?

Im ersten Fall hat der Haushalt die Möglichkeit die Ressourcen zu reduzieren und deren Einsatz neu zu definieren. Was konkret bedeuten kann, die Heizung gründlich zu warten oder den Brenner auszutauschen. Möglich ist auch, dass man sich entscheidet ein bis zwei Grad weniger warm zu heizen - der Rebound-Effekt und die Suffizienz (siehe Lesetipps) lassen grüssen. Man könnte auch gleich ganz gross denken und die Gebäudehülle energetisch erneuern.

Der zweite Fall liegt näher am eingangs beschriebenen Konzept der «energy efficiency gap», berücksichtigt aber zusätzlich den wichtigen Aspekt der Kosten. Ein solcher Haushalt sollte unbedingt in eine neue Technologie investieren, um die gleiche Menge an Energiedienstleistung mit weniger Ressourcenverschleiss zu produzieren. Für mich persönlich wichtig ist hier die Wahl von nachhaltigen Lösungsansätzen.

Frohes Energie-Optimieren!

Liebe Leserinnen und Leser, ich möchte Sie einladen, sich Gedanken zu machen, wie sie Ihr Zuhause energietechnisch optimieren können. Nehmen Sie sich doch eine Aktion für nächste Woche vor - sei es den Kaminfeger zu bestellen oder die Heizplatte ihrer Kaffeemaschine auszuschalten. In diesem Sinne, frohes Energie-Optimieren!


Lesetipps:

Blogbeiträge zum Thema Rebound-Effekt:
Blogbeitrag zum Thema Suffizienz:
Zur Autorin:

Mit diesem Artikel verabschiedet sich Céline Kind (früher: Ramseier) als Autorin des ETH-Klimablogs. Céline hat Mitte Mai ihre Doktorarbeit in Volkswirtschaftlehre und Energiewirtschaft an der Professur für Nationalökonomie des CEPE (Center for Energy Policy and Economics) der ETH Zürich verteidigt.
(Céline Kind/ETH-Zukunftsblog)


Artikel-Empfehlungen:
Vom «Klimablog» zum «Zukunftsblog»28.Okt 09:02 Uhr
Vom «Klimablog» zum «Zukunftsblog»