Ein Drittel der Hamas-Regierung verhaftet Donnerstag, 29. Juni 2006 / 23:43 Uhr aktualisiert: 30. Juni 2006 / 00:10 Uhr
Tel Aviv - In einem beispiellosen Militäreinsatz hat Israel fast die komplette Führung der regierenden Hamas im Westjordanland festgenommen.
 Die Hamas-Politiker sollen dem Richter vorgeführt werden.
Vier Tage nach der Verschleppung eines israelischen Soldaten in den Gazastreifen nahm die israelische Armee in einer koordinierten Aktion im Westjordanland acht Hamas-Minister fest - ein Drittel des Kabinetts.
Die Hamas sei in den Terrorismus verwickelt, so auch in die Entführung des israelischen Soldaten Gilad Schalit, begründete das israelische Aussenministerium den Schritt.
Die Hamas-Politiker sollen nicht gegen Schalit eingetauscht, sondern dem Richter vorgeführt werden.
Entführter Siedler erschossen
Bei einer Suchaktion in Ramallah im Westjordanland fand die israelische Armee die Leiche des am Wochenende entführten jüdischen Siedlers Eliahu Ascheri. Der 18-Jährige sei vermutlich schon kurz nach seiner Verschleppung am Sonntag erschossen worden, hiess es.
Die radikale Palästinensergruppe Komitees für den Volkswiderstand bekannte sich zu der Ermordung Ascheris.
Die israelische Armee stand weiter im südlichen Gazastreifen. Weite Teile des Gebiets waren nach der Bombardierung des zentralen Kraftwerks vom Vortag weiterhin ohne Strom und Wasser.
Aufrufe zur Besonnenheit
Angesichts der Eskalation riefen die G-8-Aussenminister die Konfliktparteien zu Besonnenheit auf. Der israelische Regierungschef Ehud Olmert und der palästinensische Präsident Mahmud Abbas sollten miteinander verhandeln, forderte der russische Aussenminister Sergej Lawrow im Namen seiner Kollegen in Moskau.
«Wir fordern auch Israel zur Zurückhaltung auf», sagte US- Aussenministerin Condoleezza Rice. Das Weisse Haus hatte zuvor die israelische Offensive im Gazastreifen verteidigt.
Die Schweiz hat die Bombardierung eines zivilen Elektrizitätswerks durch die Luftwaffe als Verstoss gegen das humanitäre Völkerrecht verurteilt. Gemäss EDA hat Israel aber das Recht, den Soldaten mit einer Militäraktion zu befreien. Die Europäische Union beorderte unterdessen ihren Nahost- Sondergesandten, den Belgier Marc Otte, in die Krisenregion.
(ht/sda)
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