LIBYEN-AFFÄRE
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Gaddafi: Schweiz ist «Mafia der Welt»

Sonntag, 6. Dezember 2009 / 15:54 Uhr
aktualisiert: 10. Dezember 2009 / 09:47 Uhr

Tripolis - Laut dem libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi hat das Schweizer Volk mit dem Minarett-Verbot «der Al-Kaida einen grossen Gefallen getan». Die Abstimmung habe den Terroristen ein «Argument» geliefert, um Europa anzugreifen, zitierte ihn die libysche Nachrichtenagentur Jana.

Laut Gaddafi unterstützt die Schweiz mit dem Minarett-Verbot die Al-Kaida. (Archivbild)

Die Schweizer «geben vor, Al-Kaida und den Terrorismus zu bekämpfen, dabei haben sie ihnen eben einen grossen Gefallen getan», sagte der Staatschef am Rande eines Festaktes an der Fakultät für religiöse Wissenschaften in Zliten, rund 160 Kilometer östlich von Tripolis.

Mit dem Entscheid habe die Schweiz Al-Kaida ein «sehr starkes Argument» geliefert, um Europa anzugreifen, sagte Gaddafi weiter. «Die Aktivisten sagen nun: Wir haben euch gewarnt, dass sie unsere Feinde sind [...]. Schaut, was sie in Europa machen. Schliesst euch Al-Kaida an und ruft den Dschihad gegen Europa aus.»

Nach Ansicht Gaddafis, dessen Land das Abstimmungsergebnis bereits als rassistischen Entscheid qualifizierte, liefert das Minarett-Verbot auch den muslimischen Ländern einen Grund, den Bau von Kirchen zu verbieten.

Angespanntes Verhältnis

Die Schweiz sei die «Mafia der Welt» und es habe bereits «einen Boykott-Aufruf» gegen die Eidgenossenschaft gegeben. Präzisiert hat Gaddafi diesen allerdings nicht.

«Wir werden den Schweizern weiter sagen, dass sie an ihre Interessen denken müssen», fuhr der Machthaber fort. Die Schweiz brauche Erdöl, Gas, Häfen, Meer, Sonnenenergie und Investitionen und sie müsse aufpassen, dass sie diese Errungenschaften nicht verliere und die Grenzen nicht überschreite.

Die Beziehungen zwischen der Schweiz und Libyen sind stark angespannt, seit ein Sohn Gaddafis im Juli 2008 in Genf verhaftet worden ist. Seit diesem Vorfall hält Gaddafi zwei Schweizer Geschäftsleute in Libyen fest. Am 1. Dezember wurden die beiden Männer wegen Visavergehen zu 16 Monaten Haft verurteilt.

(bert/sda)


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