VERBRECHEN
Anzeige
Hunderte nehmen Abschied von Geschwister Rey-Bellet

Freitag, 5. Mai 2006 / 20:25 Uhr
aktualisiert: 21:30 Uhr

Val d' Illiez VS - Rund 600 Menschen haben am Freitag in Val d'Illiez Abschied genommen von Corinne und Alain Rey-Bellet.

Corinne Rey-Bellet gewann die WM-Silbermedaille in der Abfahrt von St.Moritz 2003.

Unter den Trauergästen befand sich neben den Angehörigen und Freunden einige Prominenz aus der alpinen Skiszene.

«Wir sollten heute nicht hier sein», sagte der Pfarrer von Val d´Illiez in der Trauermesse. «Es ist nicht normal, dass junge Leute in der Blüte ihres Lebens so von uns gehen müssen.» Der Schrecken übersteige jegliche Vorstellungskraft, sagte er in seiner Predigt weiter.

«Für uns, die wir mit dir zusammen den Hundertstelsekunden nachjagten, sind die Zeitmesser urplötzlich stillgestanden. Fürs Publikum und die Medien warst du der Star, für uns eine Freundin», sagten die Skirennfahrerinnen Sylviane Berthod und Chantal Bournissen in der Trauerfeier. Sie wünschten dem getöteten Geschwisterpaar, dass es nun gemeinsam auf dem ewigen Schnee skifahren möge.

Nicht für möglich gehalten

«Wir haben uns auf die Hochzeit von dir und Sandra gefreut. Nun hat der Wahnsinn alle Träume zunichte gemacht», sagten die Skilehrerkollegen von Alain. Am Freitag, am Tag der Beerdigung, hätte Alain Rey-Bellet mit seiner Verlobten Hochzeit feiern wollen.

«Ich hätte es nicht für möglich gehalten, so etwas jemals erleben zu müssen», sagte der frühere Skistar Pirmin Zurbriggen, der mit seiner Gattin zur Trauerfeier gekommen war. Neben Zurbriggen waren auch Erika Hess, Marie-Thérèse Nadig, Lise-Marie Morerod, Sonja Nef, Mike von Grünigen sowie weitere ehemalige und noch aktive Athletinnen des Kaders wie Fränzi Aufdenblatten, Nadia Styger oder Didier Cuche nach Val d´Illiez gereist. Im Kreis der Trainer waren Angelo Maina und Hans Pieren zu sehen.

Die Spitze des Verbandes Swiss-Ski war durch Präsident Duri Bezzola und den Direktor Hansruedi Laich vertreten.

Mutter schwer verletzt

Von der nächsten Familie nahm der Vater des getöteten Geschwisterpaares am Beerdigungsgottesdienst teil. Für die Mutter, die schwer verletzt im Spital liegt, war eine Teilnahme völlig ausgeschlossen.

Die Polizei hat nach eigenen Angaben inzwischen mit ihr sprechen können. Der Frau sei bewusst, dass ihre beiden Kinder tot seien, sagte der Gemeindepräsident von Val d´Illiez und Verwandte der Rey- Bellets, Philippe Es-Borrat, in einem Interview der Walliser Zeitung «Le Nouvelliste» vom Freitag.

Gerold Stadler habe vor seinem Suizid am Dienstag noch mit seinem Vater telefoniert, sagte er weiter. Über den Inhalt dieses Gesprächs wurde allerdings bisher nichts bekannt. Auch Angehörige der Familie Stadler an der Trauerfeier anwesend.

Corinne und Alain Rey-Bellet waren am Sonntagabend in Les Crosets VS erschossen, ihre Mutter mit fünf Schüssen lebensgefährlich verletzt worden. Der mutmassliche Täter, der Ehemann Rey-Bellets, Gerold Stadler, hat sich am Dienstag selbst gerichtet. Das Ehepaar Stadler- Rey-Bellet hinterlässt einen zweieinhalbjährigen Sohn.

(ht/sda)


Artikel-Empfehlungen:

Corinne Rey-Bellets Ehemann tötete sich selbst2.Jun 16:10 Uhr
Mutter von Corinne Rey-Bellet ausser Lebensgefahr24.Mai 19:55 Uhr
12.Mai 16:36 Uhr
7.Mai 11:03 Uhr
4.Mai 16:45 Uhr
4.Mai 11:50 Uhr
Rey-Bellet -Täter entwischt Polizei knapp2.Mai 18:20 Uhr
Rey-Bellets Ehemann immer noch auf der Flucht2.Mai 13:00 Uhr