KRIEG/TERROR
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IOC-Chef mahnt China zur Einhaltung der Versprechen

Donnerstag, 10. April 2008 / 17:45 Uhr
aktualisiert: 18:26 Uhr

Peking/San Francisco - Der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, hat China aufgefordert, sein Versprechen zur Verbesserung der Menschenrechtslage einzulösen. Rogge traf am Donnerstag in Peking Mitglieder der politischen Führung.

Die olympische Bewegung werde sich von der «Krise» beim Fackellauf erholen, so IOC-Präsident Jacques Rogge.

Knapp drei Wochen nach Beginn des umstrittenen Fackellaufs schlug er scharfe Töne gegenüber China an und gestand erstmals «eine Krise» ein. Er sprach von einer «moralischen Verpflichtung» zum Ausbau der Menschenrechte. Chinas Führung forderte Rogge andererseits auf, Politik von den Spielen fernzuhalten.

Bei seiner Bewerbung habe China versprochen, dass die Ausrichtung der Spiele die gesellschaftlichen Verhältnisse und die Menschenrechte voranbringen würde, sagte Rogge. Die Fortsetzung des Fackellaufs stehe nicht zur Diskussion, sagte der Belgier.

Rogge stellte klar, dass die Athleten bei den Olympischen Spielen im August «überall, auch in der offiziellen Pressekonferenz frei ihre Meinung äussern dürfen». Nur Propaganda sei nicht erlaubt.

Anschläge auf Olympische Spiele?

Unterdessen gab das Polizeiministerium in Peking die Zerschlagung von zwei Terrorgruppen bekannt, die Anschläge auf die Spiele und Entführungen geplant hätten.

Die aus der muslimischen Region Xinjiang stammenden Gruppen hätten ausländische Athleten, Touristen und Journalisten verschleppen. Zudem hätten sie Selbstmordanschläge mit Sprengsätzen geplant. 45 Menschen seien festgenommen worden. Sie hätten versucht, Selbstmordattentäter zu rekrutieren, und Mitglieder zur Terrorausbildung ins Ausland geschickt. In Xinjiang lebt das Turkvolk der Uiguren. Uigurische Exilgruppen beklagen kulturelle und religiöse Unterdrückung in China.

Versteckspiel in San Francisco

Der Fackellauf verkam in San Francisco zum Katz-und-Maus-Spiel zwischen Organisatoren und Demonstranten. Durch die Routenänderung wurden Proteste wie in London und Paris verhindert. Frustrierte Demonstranten, die gegen Chinas Tibetpolitik protestierten, und Zuschauer warteten stundenlang vergeblich auf die Fackel.

San Francisco war die sechste Station der Flamme auf ihrer Reise nach Peking. Die nächste Etappe des Fackellaufs ist am Freitagabend (MESZ) in Buenos Aires. David Perry, Sprecher der Fackellauf-Organisatoren, verteidigte die Massnahme: Zahlreiche Fackelträger hätten sich vor Ausschreitungen gefürchtet, sagte er dem Lokalsender KTVU. Auch die Abschlussfeier wurde gestrichen.

Europaparlament verurteilt China

Das Europaparlament verurteilte in scharfer Form parteiübergreifend das Vorgehen chinesischer Sicherheitskräfte in Tibet. Eine entsprechende Resolution erhielt in Brüssel eine deutliche Mehrheit. Die Vorgänge in Tibet müssten von unabhängiger Seite untersucht werden.

Der UNO-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour wurde die Einreise nach Tibet verweigert. Ihr sei aber zu einem späteren Zeitpunkt eine Reise in Aussicht gestellt worden, sagte ein Sprecher der Vereinten Nationen.

UNO-Menschenrechtsexperten forderten unter anderem ein Ende der Medienzensur in China.

(fest/sda)


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