SOCIAL MEDIA
Anzeige
Karriere machen dank dem richtigen Suchbegriff

Freitag, 22. November 2013 / 12:52 Uhr

Internetplattformen wie Xing oder Linkedin preisen sich als Schmiermittel für die Karriere an. Dank Kontakten und Verlinkungen soll man sich beruflich besser etablieren können. Auch die Talentspäher tummeln sich im Netz: sie nutzen die Plattformen als Suchmaschinen.

Eine präzise Gestaltung des eigenen Profils hilft womöglich bei der Stellensuche.

Wenn Talentforscher Robert Jacsman durch die virtuelle Welt spaziert, dann mit viel Systematik. «Wir durchsuchen Xing und Linkedin gezielt nach Profilen», sagt er. Jacsman hat beim Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PwC das Team «Talent Sourcing» aufgebaut und ist heute in der Personalabteilung (HR) zuständig für die Suche nach berufserfahrenen Mitarbeitern.

Findet Jacsman in den Netzwerken ein Profil, das auf eine offene Stelle bei PwC passt, tritt er mit der Person in Kontakt. «Wir schreiben die Personen, deren Profile uns ansprechen, direkt, aber diskret an», sagt er. Diskret kann heissen, die Person zu einem Kaffee einzuladen, zu einem unverbindlichen Gespräch.

Gezielte Suche

Dass die Unternehmen ihre offenen Stellen über soziale Netzwerke bekannt machen, ist längst normal. Die gezielte Rekrutierung in den Karrierenetzwerken gehört für viele Personalabteilungen inzwischen ebenfalls dazu. Beide, Xing und Linkedin, wurden mit dem Ziel gegründet, Fach- und Führungskräfte weltweit zu verbinden. In Personalabteilungen gilt Linkedin als jenes Portal, das sich vor allem an Führungspersonen richtet.

225 Millionen Mitglieder in 200 Ländern haben sich seit der Gründung 2005 über LinkedIn vernetzt. Xing, ein deutsches Unternehmen, hat 13 Millionen Mitglieder weltweit, davon 6,5 Millionen im deutschsprachigen Raum.

Für den Industriegrosskonzern ABB sind beide Portale interessant, wenn es darum geht, Spezialisten oder Ingenieure zu finden, die spezifische Projekterfahrung und langjährige Berufstätigkeit vorweisen können.

«Wir suchen gezielt nach Personen mit der entsprechenden Qualifikation», sagt Melanie Nyfeler, Pressesprecherin bei ABB Schweiz. «Mit diesem Ziel schauen wir uns auch auf Nischen-Plattformen und Netzwerken im Internet um, die von diesem Personenkreis genutzt werden», so Nyfeler weiter.

Für Stellensuchende heisst das im Umkehrschluss, dass sie ihr Profil attraktiv und präzise gestalten sollten, wenn sie von den Firmen gefunden werden wollen.

Je präziser, desto besser

Xing und Linkedin ermöglichen den Mitgliedern unterschiedliche Varianten zur Darstellung: Die Nutzer können ihre berufliche Karriere nur knapp oder ausführlich beschreiben, ihr Profil ergänzen mit spezifischen Fähigkeiten oder gar Arbeitsproben. Mitglieder können Interessengruppen beitreten und sich so positionieren. Je umfassender und präziser, desto besser, sagen Experten.

«Ein Stellensuchender sollte möglichst konkret angeben, was er kann. Ein IT-Spezialist sollte zum Beispiel schreiben, welche Applikationen er beherrscht. Ein Berater sollte sich nicht nur mit Consultant bezeichnen, sondern Fachgebiete nennen», erklärt Talentsucher Robert Jacsman von PwC.

Auch beim Nahrungsmittelriesen Nestlé empfiehlt die Personalabteilung: Gruppen beitreten, Profil aufdatieren und klar strukturieren, die beruflichen Fähigkeiten und Kenntnisse präzis beschreiben, sogenannte Alleinstellungsmerkmale hervorheben, klare Ziele definieren und formulieren.

Je spezifischer, desto besser

Der Grund dafür ist einfach: Die Talentspäher durchforsten die Netzwerken nach spezifischen Suchbegriffen. Sie gehen bei der Kandidatensuche in Linkedin, Xing und anderen Portalen vor wie Laien in Websuchmaschinen. Was bei Google gilt, gilt auch innerhalb der sozialen Netzwerke: Je spezifischer die Begriffe, desto höher die Chance, schlüssige Ergebnisse zu erhalten.

«Generell sollte sich der Benutzer überlegen, welchen Nutzen er aus den Tools ziehen will. Ein leeres Profil ohne konkrete Angaben hochzuladen, ist ein unnötiges Profil», so Jacsman. Auch bei Nestlé raten die Experten davon ab, einfach nur Job-Titel zu nennen, denn das bringe wenig.

Haben die Talentsucher ihre Wunschprofile gefunden und kontaktiert, nimmt das Bewerbungsprozedere seinen normalen Lauf. Das Profil wird nicht mehr näher angeschaut und analysiert. Solange man sich zurückhaltend und professionell verhält, spielt der Auftritt als grosses Ganzes also kaum eine Rolle.

Es könne vorkommen, dass bei wichtigen Schlüsselfunktionen die Profile nochmals genauer angeschaut werden, im Normalfall aber nicht, heisst es etwa beim Detailhändler Migros.

Auch das Foto ist eine Nebensache. Ganz und gar irrelevant sind die Anzahl Kontakte, die jemand vorweist. «Das sagt nichts aus», meint Robert Jacsman von PwC. «Wenn jemand 1000 Kontakte hat, kann man daraus viel interpretieren», sagt er und fügt hinzu: «Wer einmal ein Profil angelegt hat, sollte dieses pflegen, auch wenn er nicht auf Jobsuche ist. Sein Profil zu pflegen gehört heutzutage einfach dazu.»

 

(bert/sda)


Artikel-Empfehlungen:
Schweiz: Fussball-WM am meisten gegoogelt16.Dez 07:39 Uhr
Schweiz: Fussball-WM am meisten gegoogelt
LinkedIn lockt weitere Mitglieder an7.Feb 07:28 Uhr
LinkedIn lockt weitere Mitglieder an
«Der Prozess» oder: «Wenn Google Sexismus vervollständigt»29.Nov 09:09 Uhr
«Der Prozess» oder: «Wenn Google Sexismus vervollständigt»
Social Web kann Job-Chancen erheblich schmälern31.Okt 07:30 Uhr
Social Web kann Job-Chancen erheblich schmälern
App bringt Geschäftleute fürs Netzwerken zusammen22.Jul 22:05 Uhr
App bringt Geschäftleute fürs Netzwerken zusammen
Kandidatensuche: Personaler pfeifen auf Social Web26.Jun 12:51 Uhr
Kandidatensuche: Personaler pfeifen auf Social Web
Social Media heben Produktivität von Angestellten3.Apr 14:17 Uhr
Social Media heben Produktivität von Angestellten
9.Jan 18:00 Uhr
LinkedIn knackt die 200-Millionen-Marke