UNGLÜCKSFÄLLE
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Keine Überlebenden nach Flugzeugabsturz

Sonntag, 14. August 2005 / 19:45 Uhr
aktualisiert: 20:04 Uhr

Athen - Beim Absturz einer Chartermaschine aus Zypern sind nahe Athens alle 121 Insassen ums Leben gekommen.

Das Flugzeug zerschellte nahe der Insel Euböa.

Ein Druckabfall soll den Absturz eingeleitet haben. Die führerlose Maschine zerschellte, nachdem das Kerosin aufgebraucht gewesen war. In der Boeing 737-300 der Gesellschaft Helios-Airways hätten sich vor dem Absturz dramatische Szenen abgespielt, berichteten griechische und zyprische Medien. Während des Fluges Larnaka-Athen-Prag sei die Klimaanlage ausgefallen und später der Sauerstoff ausgegangen.

Einige der Passagiere - die meisten griechisch-zyprische Touristen - konnten ihren Verwandten per Handy noch Kurzmitteilung schreiben. "Cousine, wir erfrieren. Ich verabschiede mich. Lebe wohl", habe ein Reisender geschrieben, berichtete das griechische Fernsehen. "Der Pilot ist blau im Gesicht. Wir kriegen keine Luft", hielt ein anderer fest.

F-16-Kampfjets aufgestiegen

Der Pilot habe gegen 10.30 Uhr Ortszeit nur kurz melden können, er habe Probleme mit der Klimaanlage. Danach brach der Funkkontakt ab. Das alarmierte die Flugsicherung, die anfangs eine Entführung vermutete. Zwei griechische F-16-Kampfjets wurden von Kreta zu dem Flugzeug gesandt, um Sichtkontakt zu den Piloten aufzunehmen.

Die Militärflieger sahen, dass ein Pilot ohnmächtig war. Der andere Pilot war nicht zu sehen. Eine dritte Person im Cockpit hatte eine Sauerstoffmaske aufgesetzt. Niemand sei in der Lage gewesen, mit den F-16-Piloten zu kommunizieren. "Es gab kein Lebenszeichen", meldete einer der Militärpiloten. Die Maschine flog führungslos in der Luft.

Kein Notruf

Über einen Notruf aus dem Cockpit wurde nichts bekannt. Als der Treibstoff ausging, zerschellte der Flieger um 12.03 Uhr Ortszeit (11.03 MESZ) in eine felsige Hügellandschaft rund 40 Kilometer nördlich Athens, wie die dortige Flugsicherung mitteilte. Mit 121 Toten handelt es sich um das schwerste Flugzeugunglück in der griechischen Luftfahrt.

Nach dem Absturz kam es am Flughafen von Larnaka auf Zypern zu Tumulten zwischen Verwandten und Vertretern von Helios. Die zyprische Polizei musste einschreiten. Aufgebrachte Angehörige der Opfer warfen den Helios-Vertretern vor, eine defekte Maschine losgeschickt zu haben.

Anfällige Maschine?

Die Unglücks-Boeing war nach Berichten des griechischen und des zyprischen Fernsehens offenbar "bekannt für ähnliche Probleme". Vor wenigen Monaten, am 18. Dezember 2004, hatte es auf dem Flug von Warschau nach Larnaka ein ähnliches Problem gegeben.

Helios wies diese Berichte zurück. Die Unglücksmaschine sei erst letzte Woche überprüft worden. Endgültige Erkenntnisse sollen die Daten der gefundenen Flugschreiber liefern.

(fest/sda)


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