EISKUNSTLAUFEN
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Lambiel kämpft um Olympia-Quotenplatz

Mittwoch, 23. September 2009 / 07:56 Uhr

Stéphane Lambiel gibt am Donnerstag an der Nebelhorn-Trophy in Oberstdorf (De) sein wettkampfmässiges Comeback.

Stéphane Lambiel fängt im ersten Wettkampf mit einem etwas einfacheren Programm an.

Neben dem zweifachen Weltmeister versuchen auch die Paarläufer Anais Morand/Antoine Dorsaz und die Eistänzer Leonie Krail/Oscar Peter, der Schweiz einen Quotenplatz für die Olympischen Spiele 2010 in Vancouver zu sichern.

Mit Sarah Meier ist zudem im Oberallgäu das zweite Schweizer Aushängeschild im Eiskunstlauf am Start. Die 25-jährige Bülacherin kann allerdings ohne grossen Druck antreten, da sie mit dem 9. Rang Ende März an den Weltmeisterschaften in Los Angeles ihr «Quotenplatz-Soll» bereits erfüllt hat.

«Es ist schon emotional»

Lambiel möchte zum dritten Mal Olympische Spiele erleben. Dieses Ziel reizte ihn so sehr, dass der 24-jährige Unterwalliser Ende Juli den Rücktritt vom Rücktritt bekannt gab. Ansonsten wäre er nicht zurückgekommen. Olympia sei ein Traum für jeden Sportler, so Lambiel.

Da der nationale Champion Jamal Othman (26.) Ende März an den Weltmeisterschaften keinen der 24 bereits vergebenen Quotenplätze holte, muss Lambiel in Oberstdorf zuerst einen Startplatz für die Schweiz ergattern – sechs bisher nicht qualifizierte Nationen können noch einen holen.

Auf dem Papier ist dies für den achtfachen Schweizer Meister nur eine Formsache. Seine Kontrahenten sind für ihn, was das Potenzial betrifft, keine wirklichen Gegner. Dennoch ist Lambiel sehr nervös: «Es ist vielleicht ein einfacher Wettkampf, aber mit grosser Bedeutung», sagt der Olympia-Zweite von 2006.

Es sei erst September, und er müsse schon eine gute Leistung zeigen. «Das letzte Mal, das ich im September einen Wettkampf hatte, war glaube ich als Junior.» Erschwerend empfindet er, dass er seit März 2008 nicht mehr um Punkte kämpfte. «Es ist schon emotional, und das muss ich noch unter Kontrolle bringen.» Er habe seine Pläne, die hoffentlich aufgehen würden.

Schmerzen unter Kontrolle

Damit die Programme den Anforderungen des komplizierten Bewertungssystems gerecht werden, hat er mit Preisrichtern zusammengearbeitet. Im Kurzprogramm vom Donnerstag läuft er zu Gioacchino Rossinis Oper «Wilhelm Tell». «Es ist etwas ganz ganz Lustiges». Jeder werde es geniessen, ist Lambiel überzeugt.

Die Kür, die er am Freitag präsentiert, ist eine Weiterentwicklung des Tangos, den er ursprünglich für die vergangene Saison einstudierte. «Ich mag den Rhythmus, ich mag die Energie von Latino-Musik. Ich habe dieses Programm viel in Shows (unter anderem trat er in Japan, Südkorea und Kanada auf) gemacht, das wird mir helfen.» Es gebe viele Übergänge und viel Choreografie. Allerdings nahm er sich auch viel Zeit für die Sprünge.

Für Oberstdorf hat er nur einen Vierfach-Toeloop geplant. «Ich muss mich erst qualifizieren. Es macht keinen Sinn, zwei Vierfache in der Nebelhorn-Trophy zu machen», begründet Lambiel. Seine Form beziffert er zwischen 70 und 80 Prozent. Einzelne Sprünge gingen, aber im Programm sei es schon schwierig, alles zu machen. «Ich brauche noch Zeit.»

Wie sieht es eigentlich mit den Adduktorenproblemen aus? Von Oktober bis Dezember machte Lambiel eine Pause, um sich mehr auf seine Verletzung konzentrieren zu können. Er hat zwar immer noch Schmerzen, kann sie aber unter Kontrolle halten. «Ich muss mich auf meine Beckenposition konzentrieren», erklärt er. Stark geholfen hat ihm die kanadische Physiotherapeutin Marla Pichler. Diese lernte er während «Stars on Ice» kennen.

Morand/Dorsaz mit guten Chancen

Neben Lambiel können sich auch Anais Morand/Antoine Dorsaz berechtigte Hoffnungen auf einen der vier im Paarlauf noch zu vergebenden Quotenplätze für Vancouver machen. Bei ihren ersten Elite-Weltmeisterschaften verpassten sie diesen als 14. um 3,28 Punkte, respektive einen Platz.

Zwar müssen sich die 16-jährige Morand und der 20-jährige Dorsaz gegenüber dem 6. Platz beim Junioren-GP in Lake Placid Anfang September wohl noch steigern, dass der Formaufbau stimmt, dafür dürfte Weltmeister-Trainer Ingo Steuer allerdings gesorgt haben. Die EM-12. nehmen den Wettkampf in Oberstdorf jedenfalls optimistisch in Angriff.

Wesentlich kleiner sind die Chancen für die in den USA trainierenden Eistänzer Leonie Krail/Oscar Peter – in dieser Kategorie werden noch fünf Startplätze vergeben. «Wir wissen, dass es nicht einfach für uns wird», ist Peter realistisch.

Sarah Meier in Form

Sarah Meier blickt auf einen «wirklich guten» Sommer zurück, was angesichts der gesundheitlichen Probleme in der vergangenen Saison (Diskushernie, Defekt des Labrum) alles andere als selbstverständlich ist. Neben einer Manualtherapie half der EM-Zweiten von 2007 und 2008 auch ein Schlittschuhwechsel.

Meier zeigt am Samstag in Oberstdorf erstmals ihre neue Kür «Romeo und Julia», das Samba-Kurzprogramm behielt sie bei. Ihr Ziel sind mindestens 153 Zähler; diese Punktzahl muss sie gemäss den Selektionskriterien von Swiss Olympics zweimal erreichen.

(Sascha Fey/Si)


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