Litwinenkos Kontaktmann und Ehefrau vergiftet Samstag, 2. Dezember 2006 / 18:24 Uhr aktualisiert: 21:34 Uhr
London - In der Affäre um den Gifttod des russischen Ex-Spions Alexander Litwinenko könnte nun auch dessen Kontaktmann aus Italien erkranken. Mario Scaramella wurde nach der Entdeckung von radioaktiven Spuren im Urin unter Quarantäne gestellt.
 Alexander Litwinenko zog eine Polonium-Spur hinter sich her.
Auch bei Litwinenkos Witwe Marina wurde im Urin die Substanz Polonium 210 entdeckt. Die Spuren waren nach Angaben der Gesundheitsbehörden bei beiden jedoch erheblich niedriger als bei Litwinenko, der vergangene Woche nach qualvollem Leiden gestorben war.
Scaramella zeigte nach Angaben seiner Ärzte in London bis Samstag keinerlei Symptome einer Vergiftung. Das University College Hospital, wo auch Litwinenko behandelt worden war, widersprach Medienberichten, wonach Scaramella bereits im Sterben liege.
Befürchtet wird aber, dass der 36-jährige ebenfalls erkrankt. Er war einer der letzten Kontaktleute, mit denen sich Litwinenko getroffen hatte, bevor er am 1. November mit Beschwerden in die Klinik musste.
Die Gefahr für Frau Litwinenko halten die Ärzte für «sehr gering». Der zwölfjährige Sohn des Paares wurde getestet, ohne dass Auffälligkeiten entdeckt wurden.
Mögliches Geheimdienst-Komplott
Einem Zeitungsbericht zufolge gibt es neue Hinweise auf ein mögliches russisches Geheimdienst-Komplott. Die Zeitung «Daily Telegraph» druckte Auszüge aus einem Dokument, das Scaramella Litwinenko bei ihrem Treffen übergeben haben soll. Verfasst haben soll das Memo Jewgeni Limarew, ein in der Schweiz lebender Spezialist für die Zusammenstellung solcher Einsatzgruppen.
Unterdessen gaben die Behörden alle drei Maschinen der Fluggesellschaft British Airways (BA) wieder frei, in denen radioaktive Spuren vermutet worden waren. Auch beim Billigflieger Easyjet gab es Entwarnung. Ein Verdacht auf erhöhte Radioaktivität in einer Maschine der finnischen Fluggesellschaft Finnair in Moskau bestätigte sich nicht.
Obduktion abgeschlossen
Die Obduktion des Leichnams von Litwinenko wurde abgeschlossen. Nach Informationen des «Guardian» enthielt der Körper eine Polonium-Dosis, die ihn mehr als 100 Mal hätte töten können und einem Beschaffungspreis von 20 Millionen Pfund (47 Mio. Franken) entsprochen habe.
Ein Kreml-Sprecher sagte der Zeitung, Russland produziere Polonium nur in einer für Ausländer gesperrten Stadt. Jeden Monat exportiere Russland unter strenger Kontrolle acht Gramm an US-Unternehmen. Dass das Material gestohlen oder geschmuggelt werde, sei völlig ausgeschlossen.
(fest/sda)
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