AUSLAND
Anzeige
Militärpolizei geht in Kairo gegen Demonstranten vor

Samstag, 9. April 2011 / 11:41 Uhr
aktualisiert: 16:54 Uhr

Kairo - Zwei Monate nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Husni Mubarak ist der in Ägypten regierende Militärrat mit Gewalt gegen Demonstranten vorgegangen. Dabei wurde ein Demonstrant getötet.

Demonstration auf dem Tahrir-Platz. (Archivbild)

Das Opfer erlag seinen Verletzungen, nachdem die Streitkräfte in der Nacht zum Samstag eine Demonstration militanter Oppositioneller auf dem Tahrir-Platz mit Gewalt aufgelöst hatten.

71 weitere Menschen erlitten Verletzungen, bestätigte das Gesundheitsministerium am Samstag in Kairo. Einige wiesen Schussverletzungen auf. Zunächst hatten Spitäler von zwei Toten berichtet.

Das Militär war im Anschluss an eine Grosskundgebung der Demokratiebewegung eingeschritten, als mehrere hundert Demonstranten den Platz nicht räumen wollten.

Zuvor hatten am Freitag zehntausende Menschen friedlich für Gerichtsverfahren gegen Mubarak und seine Mitarbeiter demonstriert. Die Opposition wirft den ehemaligen Regime-Grössen Korruption und die Tötung von Demonstranten vor.

Das Militär sperrte den Tahrir-Platz, das einstige Zentrum der Proteste gegen Mubarak, am Samstag für den Verkehr. Im Laufe des Vormittags sickerten jedoch wieder hunderte Demonstranten auf den Platz in der Mitte Kairos. Sie entrollten den dort von der Armee gelagerten Stacheldraht, um sich auf eine Dauerbesetzung einzurichten, berichtete ein Fotograf der Fotoagentur epa. Die Sicherheitskräfte schritten vorerst nicht ein.

Verfahren gegen Mubarak verlangt

Die Streitkräfte veröffentlichten am Samstag eine Erklärung, in der sie «Gesetzlose» für Ausschreitungen und einen Verstoss gegen das nächtliche Ausgehverbot verantwortlich machten. Es sei jedoch niemand zu Schaden gekommen oder verletzt worden.

Das Blutvergiessen am frühen Samstagmorgen markierte den ersten direkten Zusammenstoss zwischen Militär und Demonstranten seit dem Sturz Mubaraks.

Tote hatte es allerdings seitdem schon bei religiös motivierter Gewalt gegen christliche Kopten gegeben. Bei den Strassenschlachten während der Anti-Mubarak-Proteste waren nach offiziellen Angaben 840 Menschen getötet worden.

Mubarak in Scharm-el-Scheich

Mubarak und seine Familie stehen in einem Präsidentenpalast im Badeort Scharm-el-Scheich am Roten Meer unter Hausarrest. Ihr Vermögen ist eingefroren. Bei vielen Menschen wächst aber die Ungeduld, weil immer noch keine Schritte gegen Mubarak und seine Familie unternommen wurden.

(bert/sda)


Artikel-Empfehlungen:

Unruhen in Ägypten kosteten mindestens 846 Menschen das Leben19.Apr 21:24 Uhr
Unruhen in Ägypten kosteten mindestens 846 Menschen das Leben
Verhaftungswelle in Ägypten - Mubarak hat Herzinfarkt im Gericht12.Apr 21:04 Uhr
Verhaftungswelle in Ägypten - Mubarak hat Herzinfarkt im Gericht
Ägyptens Armee steckt kritischen Blogger in Knast11.Apr 15:50 Uhr
Ägyptens Armee steckt kritischen Blogger in Knast
10.Apr 19:06 Uhr
Sicherheitskräfte unterdrücken erneut gewaltsam Demonstranten
Ägyptisches Militär droht den Demonstranten mit Gewalt9.Apr 23:18 Uhr
Ägyptisches Militär droht den Demonstranten mit Gewalt
Ägypter stimmen für Verfassungsänderung - Weg frei für Wahlen20.Mrz 20:15 Uhr
Ägypter stimmen für Verfassungsänderung - Weg frei für Wahlen
Hillary Clinton fordert in Kairo Umsetzung von Reformen15.Mrz 21:41 Uhr
Hillary Clinton fordert in Kairo Umsetzung von Reformen