WINTERSPORT
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Snowboard: Markku Koski Herrscher der Davoser Nacht

Freitag, 2. Januar 2004 / 17:43 Uhr

Die fünfte Auflage der SB-Snowboard-Jam-Session in Davos endete mit dem Sieg von Markku Koski. Bei Schneetreiben und arktischer Kälte triumphierte der Finne in der Gesamtwertung der Kategorien "Superpipe", "Kicker" und "Rails".

Markku Koski war in Davos eine Klasse für sich.

Obschon einige vermeintlich profunde Kenner der internationalen Schneesportszene der Snowboardbewegung schon länger das Out prophezeien, drängten sich abermals über 6000 Zuschauer am Fusse des Bolgenhangs.

Kaum einer der jugendlichen Wintertouristen wollte sich das Sprung-Spektakel ohne Weltranglistenpunkte in der Silvesternacht entgehen lassen. Manch ein Veranstalter von quotenstärkeren Wintersportarten wäre angesichts der Zuschauermassen im Zielraum vor Neid erblasst.

Stars wie der Schweizer Snowboard-Olympia-Pionier Gian Simmen, der auch bei älteren Semestern nichts von seiner Popularität eingebüsst hat, der kanadische Brett-Entertainer Marc-André Tarte oder der deutsche Altmeister Xaver Hoffmann zogen das trinkfeste Publikum mit perfekten Tricks und stilistisch einwandfreien Flügen während der rund halbstündigen Vorführung in den Bann.

Angesichts des hochkarätigen Teilnehmerfeldes waren die Qualitätsdifferenzen der Fahrer von blossem Auge allerdings kaum wahrzunehmen.

In der Expertise der in Davos erstmals eingesetzten Jury hinterliess Markku Koski den stärksten Eindruck. Der Achte der letzten Olympischen Spiele fand sich im Quervergleich auf allen Unterlagen am besten zurecht. Sein risikobetonter Stil zahlte sich für vollumfänglich ihn aus.

Neben einer stattlichen Summe Preisgeld hat sich der Nordländer nach Shaun White (USA), Joni Malmi (Fi), Travis Rice (USA) und Rio Tahar (Jap) ein "Ticket to Ride" für den überaus begehrten Arctic-Challenge-Final Ende März in Norwegen gesichert.

Die vom Bündner Dani Costandaché einst im kleinen Rahmen lancierte Veranstaltung hat in der Industrie-Tour "TTR" mittlerweile einen fixen Platz.

Von den geladenen Fahrern wie auch seitens der zahlreichen Sponsoring-Vertreter war für das lokale OK um Costandaché und André Rellstab nur Lob zu vernehmen. Auch Spengler-Cup-Chef Fredi Pargätzi, seit Jahren Mitglied des Vereins für Snowboardveranstaltungen, fühlte sich im trendigen Ambiente ohne Krawattenpflicht sichtlich wohl.

Mit Ausnahme der US-Olympia-Stars waren im Bolgen-Gelände fast alle Freestyler von Rang zugegen. Nur einer fehlte: Heikki Sorsa. Der finnische Starboarder, der zuweilen wilde Frisuren zu tragen pflegt und sich damit beim nationalen Olympia-Komitee Feinde schafft (so geschehen in Salt Lake City), musste krankheitsbedingt Forfait erklären.

Offiziell litt er unter plötzlichen Herzbeschwerden. Im Fahrerlager kursierte eine andere und wohl eher zutreffende Version; ein Alkohol-Exzess soll Sorsa ausser Gefecht gesetzt haben. (von Sven Schoch, Davos/Si)