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Steuern beeinflussen Wohnortwahl nicht

Donnerstag, 20. Oktober 2005 / 12:21 Uhr

Bern - Die Höhe des Steuerfusses beeinflusst Schweizerinnen und Schweizer bei der Wahl ihres Wohnorts kaum.

Steueranreize werden anscheinend überschätzt.

Viel wichtiger der Arbeitsplatz und Lebensqualität in einer Region. Zu diesem Schluss kommt eine vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Studie.

Die Studie zweier Forscher der Universität St. Gallen basiert auf Befragungen des Schweizer Haushalt-Panels der Jahre 1999 bis 2001, wie der Nationalfonds mitteilte. Es wurden Daten von rund 5000 Haushalten und 13 000 Personen erhoben.

Gute Schulen sind wichtig

Dabei zeigte sich, dass die Wohnortwahl nicht wesentlich durch Steueranreize beeinflusst wird. Bei der Angabe der Gründe für die Wahl des Wohnorts seien niedrige Steuern kaum je erwähnt worden - und wenn, dann nie an erster Stelle.

Viel entscheidender für die Befragten waren Faktoren wie der Arbeitsplatz, die familiäre Situation oder Anreize wie gute Schulen oder eine schöne Gegend. Die Autoren der Studie schliessen daraus, dass Steueranreize überschätzt würden.

Wettbewerb der Regionen

In einer weiterführenden Studie konnten dieselben Autoren laut Communiqué zwar einen Einfluss der Steuerlast auf die Wohnortwahl von Hochqualifizierten nachweisen. Doch bleibe dieser Einfluss eher gering.

Am ehesten kommt Steuerwettbewerb laut der Studie auf regionaler Ebene zum Tragen. Zwischen den Kantonen bleibt der Einfluss gering. Die Autoren folgern, dass Wohnungssuchende zuerst eine Region oder einen Kanton im Hinblick auf den Arbeitsplatz oder Lebensqualität aussuchen. Erst innerhalb dieses Raumes spielen Steuerüberlegungen eine Rolle.

Hochsteuer-Länder

Ausgangspunkt für die Studie war der internationale Steuerwettbewerb in Europa. Vor allem nordeuropäische Hochsteuer-Länder wie Finnland, Schweden, Norwegen oder Belgien versuchen nämlich, mit Steueranreizen hochqualifizierte Menschen aus dem Ausland anzulocken.

Aufgrund der Studie in der Schweiz geben die Autoren solchen Bemühungen wenig Chancen. Prominente Fälle von Steueroptimierern seien eher Ausnahmen, die die Regel bestätigten.

(sda)


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