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Wenn der grosse Hammer den eigenen Daumen trifft

Freitag, 14. Mai 2010 / 11:40 Uhr
aktualisiert: 13:28 Uhr

Beim ganzen Bankenbashing wird meist ein Faktor vergessen, der einen grossen Einfluss auf die Defizite der Länder hatte, nicht zuletzt in Griechenland, Grossbritannien und in den USA: Die Verteidigungsausgaben. Ja, sogar in der Schweiz sind diese ein Problem, spätestens seit feststeht, dass neue Flugzeuge viel teurer sein werden als ursprünglich erwartet.

Doch bleiben wir einmal in Amerika. Sollte erst mal das ganze Euro-Puff geklärt sein, hängt als nächstes das gigantische Haushaltsdefizit der USA wieder als erstes Damoklesschwert über unser aller Häuptern. Eine Hauptursache dieses Defizites ist das amerikanische Rüstungsbudget.

Nun kann man von Armeen halten was man will, aber sie sind eine Realität. Richtig bedenklich wird es allerdings, wenn die teuerste Armee der Welt, jene der USA, notorisch erfolglos ist. Es ist eine Tatsache, dass die grösste Militärmacht der Welt es bisher nicht geschafft hat, die zwei letzten Kriege, die sie gegen recht kleine Gegner führte (Irak und Afghanistan), erfolgreich zu beenden.

Die Tatsache, dass sich im Irak ein Sieg abzeichnet, ist dabei nicht wirklich ein Erfolg, eher ein Pyrrhus-Sieg. Weshalb? Die Schätzungen für die Kosten des Irak-Krieges belaufen sich auf Summen von offiziellen 1'000'000'000'000 bis inoffiziell 3'000'000'000'000 US$. Wer nun sagt, Freiheit könne nicht mit Geld aufgewogen werden, dem gebe ich durchaus recht. Nur war es nicht die Freiheit der Iraker, die soviel Geld gekostet hat. Es war ein veraltetes militärisches Denken.

Die gegenwärtigen Armeen und ihre Strukturen sind Auslaufmodelle, ja sie sind zu einem grossen Teil Schrott, wie der amerikanische Militärberater John Arquilla in der Zeitschrift «Foreign Policy» eindrücklich darlegt. Der Grund, warum Al Qaida und Hisbollah so erfolgreich sind, liegt darin, dass diese bereits die nächste Version des Krieges beherrschen, den vernetzten Krieg, den Schwarm-Krieg.

Dabei operieren kleine Truppenverbände lose organisiert und miteinander vernetzt. Mit Bomben und Hinterhalten schaffen sie es dabei, einem wesentlich stärkeren Gegner schmerzhafte Verluste zuzufügen und dessen Kontrolle über ein Gebiet zu untergraben. Der Erfolg beruht vor allem darauf, dass konventionelle Armeen nicht auf diese Art des Krieges vorbereitet sind. Die grossen Hammerschläge, die von den Armeen ausgeteilt werden, verfehlen den Feind meistens, treffen aber umso häufiger unbeteiligte Zivilisten.

Pro Tag werden Milliardenbeträge für Rüstung ausgegeben, Geld für den grösstmöglichen Hammer, für Rüstung, die offenbar vor allem für Kriege gedacht ist, wie sie vor fünfzig Jahren geführt wurden. Eine neue, flexible Art der Armee, mit kleinsten, vernetzten Truppeneinheiten, die billiger und effektiver auch Terroristen bekämpfen und gleichzeitig Verluste unter Zivilisten weitgehend vermeiden könnte, ist die Art der Truppe, die in der Zukunft erfolgreich sein und den sogenannten asymmetrischen Kriegen ein Ende setzen könnte. Der Erfolg der USA im Irak kam genau dann, als kleinste Truppenverbände in die Dörfer geschickt wurden und gemeinsam mit der Bevölkerung den Kampf gegen die Terroristen begannen.

Dies wäre – nebenbei - auch für die Schweizer Armee eine gute Idee, mit der gleichzeitig das Budget reduziert und Effizienz und Akzeptanz verbessert werden könnten.

Die 19 Terroristen von 9/11 haben es seinerzeit nicht nur geschafft, die WTC-Türme einstürzen zu lassen und eine Bresche in das Pentagon zu schlagen. Sie haben es vor allem fertig gebracht, die USA in zwei Kriege zu verwickeln, welche deren Volkswirtschaft und die aller anderen beteiligten Länder unglaublich belasten, sowohl was menschliches als auch fiskalisches Kapital betrifft.

Auch andere Länder – wie Griechenland – geben immer noch riesige Summen für ein veraltetes Militär aus, Armeen, die eigentlich das Volk beschützen sollten, es aber durch die Hintertüre der prohibitiv teuren Budgets ruinieren und so mit zur Finanzkrise beigetragen haben. Der grosse Hammer trifft so vor allem den eigenen Daumen.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)


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