Samstag, 11. Juli 2015 / 10:22 Uhr aktualisiert: 13:24 Uhr
Srebrenica - Zehntausende trauernde Menschen haben in Srebrenica der über 8000 Opfer des Völkermordes vor 20 Jahren gedacht. An einer Gedenkfeier bezeichnete der Vorsitzende des UNO-Kriegsverbrechertribunals, Theodor Meron, das Massaker als Verbrechen gegen die gesamte Menschheit«
Der Bürgermeister von Srebrenica, Camil Durakovic, beschrieb das unfassbare Massaker am Samstag mit den Worten: "Die meisten meiner damaligen Spielkameraden und damit meine Kindheit liegen heute begraben in der Gedenkstätte Srebrenica."
Tribunal-Staatsanwalt Serge Brammertz berichtete, das UNO-Tribunal in Den Haag habe die 20 wichtigsten Befehlshaber des Genozids in Srebrenica vor Gericht gestellt und rund 2000 Zeugen gehört. Er rief die Behörden in Bosnien-Herzegowina und in den Nachbarländern auf, "noch Hunderte Gerichtsverfahren" gegen die Mittäter einzuleiten, die immer noch unbehelligt lebten.
Das Massaker von Srebrenica, bei dem bosnische Serben unter Ratko Mladic im Juli 1995 rund 8000 muslimische Männer und Jungen ermordeten, wurde von der internationalen Justiz als Völkermord eingestuft. Es ist das grösste Kriegsverbrechen in Europa nach 1945.
Feier im Dutchbat-Hauptquartier
Die Gedenkfeier fand in der alten Batteriefabrik statt, die den niederländischen UNO-Soldaten damals als Hauptquartier gedient hatte. Das sogenannte Dutchbat hatte das Massaker nicht verhindern können, obwohl die UNO Srebrenica zur "sicheren Schutzzone" erklärt hatten.
Zahlreiche Staats- und Regierungschefs der Region erwiesen den Opfern dieses grössten Kriegsverbrechens nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa die letzte Ehre. Sie trugen sich in zwei Kondolenzbücher ein, die im ehemaligen Hauptquartier der niederländischen UNO-Truppen in Srebrenica ausgelegt worden waren.
"Monströses Verbrechen"
Vor den Gedenkfeiern verurteilte auch der serbische Ministerpräsident Aleksandar Vucic die Tat als ein "monströses Verbrechen". Den Begriff "Völkermord" verwendete er aber nicht.
"Serbien verurteilt dieses furchtbare Verbrechen klar und unzweideutig und ist angewidert von allen, die sich daran beteiligten, und wird sie weiter vor Gericht bringen", schrieb Vucic in einem offenen Brief .
"Es gibt keine Worte, um die Trauer und das Bedauern für die Opfer auszudrücken, noch für die Wut gegenüber jenen, die dieses monströse Verbrechen begangen haben", so der Ministerpräsident. Es sei seine "Pflicht, sich vor den Opfern zu verneigen".
Die serbische Regierung wünsche sich, mit den Bosniern gemeinsam zu leben und das Vertrauen wiederherzustellen. "Meine Hand ist ausgestreckt", schrieb Vucic. Dies sei seine Pflicht gegenüber denjenigen, die starben, und gegenüber den künftigen Generationen.
Vucic ist ein früherer serbischer Nationalist, der sich zum überzeugten Europäer gewandelt hat. Das Massaker von Srebrenica hat Vucic wiederholt verurteilt. In den vergangenen Jahren nahmen serbische Spitzenpolitiker wiederholt an Gedenkfeiern in Srebrenica teil, die Bezeichnung des Verbrechens als "Genozid" lehnt Belgrad aber ab.
Beisetzung weiterer Opfer
Bei den Gedenkfeiern am Samstag sollen weitere 136 Opfer feierlich beigesetzt werden. Bisher wurden die Überreste von 6241 Opfern identifiziert und in der Gedenkstätte in Srebrenica beerdigt, 230 weitere liegen auf anderen Friedhöfen.
Frauen vieler Opfer verteilten als Anstecker die "Blume Srebrenicas". Sie erinnert mit ihrem Blütenweiss an die Unschuld der Ermordeten und mit dem grünen Zentrum an das Prinzip Hoffnung.(jz/sda)