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Angehört: Charlotte Gainsbourg - «IRM»

Donnerstag, 10. Dezember 2009 / 09:00 Uhr
aktualisiert: 6. Januar 2010 / 13:09 Uhr

Die Schauspielerin und Sängerin Charlotte Gainsbourg - Tochter von Jane Birkin und Serge Gainsbourg - hat für ihr neues Album «IRM» den musikalischen Tausendsassa Beck mit ins Studio geholt.

Zeigt auf der Platte viel von ihrem Innern: Charlotte Gainsbourg.

Eigentlich wollte man ihn schon für Gainsbourgs Vorgänger-Platte «5:55» mit an Bord haben, doch klappte es damals nicht. Für ihre nun dritte Platte sagte der Kalifornier zu. Gainsbourg: «Nach meinem letzten Album 5:55 wollte ich in eine andere Richtung gehen. Ich wollte mich selbst überraschen. Ich wollte schon seit langer Zeit mit Beck arbeiten. Und tatsächlich stimmte die Chemie zwischen uns dann absolut.»

Es ist ein sehr interessantes, ungewöhnliches Album entstanden: Man kann es nicht genau einordnen, Chanson trifft Blues und Elektronik und Worldbeats - doch über allem steht Gainsbourg, die uns einen rätselhaften Einblick in ihre Psyche gewährt. Gainsbourg: «Es war meine Welt, in die Beck sich begeben- und mit der er kommuniziert hat.»

IRM heisst MRT

Der Titel des Albums und der Single «IRM» (zu deutsch: MRT - Magnetresonanztomographie) bezieht sich auf die Erfahrungen einer Krankheit mit Hirnblutung, an der Gainsbourg vor zwei Jahren litt. Auch diese Erfahrungen hat sie hörbar in der Musik verarbeitet. Diese Platte ist quasi eine MRT-Aufnahme Gainsbourgs, ein Blick ins Innere der höchst talentierten Frau.

Beck über Charlotte: «Ich denke, dass sie eine Menge zu der Musikwelt beizutragen hat. In ihrem Kopf gehen jede Menge Dinge vor. Es gibt in jeder Person diverse Schichten, erst recht aber in der Charlotte Gainsbourgs. Sie ist sehr intelligent, sehr stark, extrem liebenswürdig und steht den Dingen sehr offen gegenüber, obwohl sie gleichzeitig genau weiss, was sie mag. Sie ist sehr besonders.»

Weder Mainstream, noch Underground

«IRM» ist weder Mainstream, noch Underground, es ist sehr eigen. So wie Charlotte Gainsbourg und Beck sehr eigene Charaktere sind. Die Platte ist auch nicht so entstanden, dass sie mit Becks fertigen Songs und einer klaren Vorstellung ins Studio gingen. Vielmehr erarbeiten sich die beiden die Songs in einem kreativen Austausch in drei intensiven Sessions: «Die Sessions waren mehr wie ein Workshop, bei dem ständig irgendwelche Dinge passierten, auf die wir dann spontan reagierten. Er war so enthusiastisch, dass er mich schlagartig selbstbewusster fühlen liess. Er liess sich einfach wahllos Ideen einfallen und wartete dann auf meine Reaktion.» so Gainsbourg über die Zusammenarbeit.

Charlotte Gainsbourgs Liebreiz schimmert immer durch, doch lässt sie uns auch in Abgründe blicken. Vielleicht hat sie die Dreharbeiten zu Lars von Triers Film «Antichrist» beeinflusst, in der sie die Hauptrolle spielte. Die Stücke klingen sehr zerbrechlich und fast schon psychedelisch - dann wieder hypnotisch.

Unverkennbarer Einfluss von Beck

Doch auch Becks Einfluss ist unverkennbar: Auf der aktuellen Single «Heaven can wait», oder auf «Trick Pony» und «Greenwich Mean Time» sind die typischen Beats zu hören, mit denen Beck Erfolg hatte. Auf «Dandelion» wandelt Beck dann eher auf den Spuren von T-Rex. Bluesriffs bestimmen den Song «Looking Glass Blues».

Beck ist mit seiner offenen eklektizistischen Vorgehensweise der optimale Songwriter und Produzent für dieses Album. Die beiden bilden ein kongeniales Duo. Absolut empfehlenswert! Wer spricht überhaupt noch von Carla Bruni?


 

(Felix Steinbild, Berlin/news.ch)


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