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Angehört: Devendra Banhart - «What Will We Be»

Donnerstag, 26. November 2009 / 12:16 Uhr
aktualisiert: 31. Juli 2016 / 16:01 Uhr

Folksänger Devendra Banhart veröffentlicht mit «What Will We Be» sein schon siebtes Album - dieses ist allerdings das erste auf einem Major-Label. Aber das hat der Qualität keinen Abbruch getan. Im Gegenteil.

Der leibhaftige Love-Guru: Devendra Banhart.

Die Folkszene ist seit Jahren sehr vital. Ob in New York, San Franzisko, oder sogar in Berlin: Es gibt viele Künstler und Bands, die der «Technosierung» der Musik etwas entgegen setzen wollen. Vor allem: Songs. Das geschriebene Stück soll wieder im Vordergrund stehen.

Dass es sich nicht unbedingt wie Geschrammel am Lagerfeuer anhören muss, beweist Devendra Banhart auf «What Will We Be». Das mag zu einen daran liegen, dass Banhart sehr talentiert und dabei aber äusserst lässig ist, zum anderen aber auch daran, dass er von seinem neuen Label «Warner» volle künstlerische Freiheit zugesichert bekam.

Und da Banhart keine modernen sterilen High Tech-Studios mag, klingen die Aufnahmen so herrlich warm und vital, verspielt und doch in sich ruhend. Produziert wurde «What Will We Be» von Devendra Banhart und Paul Butler (Band Of Bees) in einem kleinen Privathaus in einem verschlafenen Nest in Nordkalifornien.

Freak-Folk

Die New Folk-Szene ist gross, man muss schon zu Unterkategorien greifen, um einen Überblick der Strömungen zu bekommen. Der Begriff «Freak-Folk» verfolgt Banhart schon länger. Davon will er allerdings nichts wissen, wie er in einem Interview mit «Intro» erzählt: «Freak Folk hängt ein gewisses Image an: Du musst einen Bart haben und Jesus-mässig drauf sein, wenn du weisst, was ich meine. Deine Stimme hat sehr aussergewöhnlich und vor allem polarisierend zu sein.»

Doch: Devendra Banhart ist ein Hippie. Wer so versponnende Stücke schreibt, so tief in psychedelischen Welten eintaucht, kann nicht anders bezeichnet werden. Ausserdem sieht er auch so aus wie der leibhaftige Love-Guru (was allerdings Natalie Portman nicht davon abgehalten hat, ihn als Boyfriend auszuprobieren).

Traumhafte Melodien mit unglaublicher Gelassenheit

Devendra Banhart hat ein exquisites Händchen für traumhafte Melodien und das mit einer unerschütterlichen Gelassenheit. Man könnte meinen, Devendra bräuchte nur durch ein Kaleidoskop blicken, um sich seine eigene Welt, seine Songs zusammenzubauen.

Doch so leicht, wie die Stücke klingen, ist es nicht. Devendra Banhart im oben erwähnten Interview: «Manchmal schreibt man den traurigsten Song, wenn man super drauf ist. Oder umgekehrt. Es lässt sich nicht voraussagen. Wichtig ist, dass man feinfühlig bleibt. Mein Songwriting ist emotionales Chaos.»

Dass er bei der Platte auch dem Zufall, das heisst in diesem Fall der Improvisation, Raum geben konnte, verdankt er seinen Musikern, mit denen er schon das Vorgänger-Album aufgenommen hatte. Er selbst spielt Gitarre und singt natürlich, Kollegen aus diversen befreundeten Folk-Bands wie Noah Georgeson, Greg Rogrove, Lucky Remington und Rodrigo Amarante unterstützen ihn dabei.

Pure Psychedelic

«What will We Be» ist eine ausgewachsene Psychedelic-Platte. Sie klingt nach Marc Bolans T. Rex, den Beau Brummels, Country Joe and The Fish und Nick Drake, die Nummer «16th & Valencia Roxy Music» tatsächlich wie einst Eno und Ferry, «Rats» wie Led Zeppelin. Es wird nie langweilig, weil immer wieder Brüche und Wendungen in die Stücke eingebaut sind. Aber keine Fallen. Der Sound ist sehr gedimmt - die Stimmung so unbekümmert wie an einem freien Tag.

Devendra Banhart lässt sich nicht dabei stressen, uns seine Welt zu zeigen. Und es macht Spass. Am besten einen Tag frei nehmen.

(Felix Steinbild, Berlin/news.ch)


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